Die MTM-Analyse am Arbeitsplatz hilft dir, neue Stationen und bestehende Montageplätze fundiert zu gestalten. Du erkennst früh, wo Zeit, Wege und Belastungen entstehen, und bringst Ergonomie, Effizienz und Qualität in stabilen Entscheidungen zusammen. Planung in VR macht Varianten begehbar und beschleunigt die Validierung, ohne dass du auf vollständige CAD-Daten warten musst.
MTM (Methods-Time Measurement) liefert methodisch abgesicherte Soll-Zeiten. Das Verfahren zerlegt manuelle Tätigkeiten in standardisierte Bewegungsfolgen und ordnet ihnen reproduzierbare Standardzeiten zu. Zeitaufnahmen nach REFA ergänzen das Bild um die tatsächliche Leistung, Störungen und Lernkurven. In der Praxis leitest du mit MTM Planwerte und Standards ab und erfasst mit REFA die realen Abweichungen und veränderlichen Abschnitte. So entsteht ein stimmiges Zusammenspiel aus Soll und Ist, das Layoutentscheidungen belastbar macht.
Greifen, Bringen, Fügen und Loslassen sind die Grundbewegungen, aus denen du eine Tätigkeit beschreibst. Die Standardzeit eines Bausteins hängt von Reichweite, Präzision, Griffart und weiteren Bedingungen ab. Wichtig ist eine konsequente Zuordnung mit klaren Start- und Endpunkten, damit gleiche Bedingungen immer gleich bewertet werden. Diese Struktur schafft Transparenz über Zeitanteile, Handwechsel, Umgreifen und Wege und ist die ideale Grundlage, um Ergonomie und Qualität gleich mitzudenken.
Gute Ergonomie zahlt auf Gesundheit, Qualität und Stabilität ein. Greifräume, Reichweiten und Sichtfelder bestimmen, wie flüssig und fehlerarm die Arbeit abläuft. Haltungsrisiken wie Überkopfarbeit, Rumpfdrehungen und häufiges Bücken lassen sich früh erkennen und gezielt verringern. MTM beziffert, wie sich eine geänderte Anordnung auf die Zeit auswirkt, die Ergonomieanalyse bewertet die Belastung, und Qualitätsmerkmale sichern die Prozessfähigkeit. So werden typische Zielkonflikte sichtbar: Kürzere Wege dürfen die Sicht nicht verschlechtern, höhere Greifpositionen nicht zu Überkopfarbeit führen.
Diese Leitplanken helfen, Prioritäten zu setzen und Varianten gezielt zu vergleichen.
Ein praxistauglicher Ablauf verbindet strukturierte Beobachtung, MTM-Zuordnung und begehbare Prüfung in VR oder am Desktop. So kommst du zügig von der Hypothese zur Entscheidung, Schritt für Schritt und nachvollziehbar.
Bei Festo werden Montage- und Logistikprozesse mit dem MTM-Verfahren bewertet und in VR getestet, mit automatischer MTM-Auswertung und einer Konzeption, die 75 Prozent schneller ist als mit Cardboard Engineering.
Zerlege die Zykluszeit in wertschöpfende Anteile, Greif- und Fügezeiten sowie Wegezeiten und setze erreichbare Ziele für die Verkürzung. Beobachte die Zahl der Griffe und Umgreifvorgänge pro Takt und strebe an, dass mindestens 80 Prozent der Griffe in der neutralen Zone liegen. Begrenze die Überkopfzeit auf unter zehn Prozent, sichere den freien Blick auf qualitätskritische Merkmale und plane die Wege in kurzen, eindeutigen Abschnitten. Entscheide erst, wenn die ergonomischen Mindeststandards erreicht und die Zeitziele realistisch bestätigt sind.
Beispiel Montagearbeitsplatz: Ausgangspunkt sind 120 Griffe pro Takt, 35 Prozent davon außerhalb der neutralen Zone, und eine Zykluszeit von 54 Sekunden. Im Modell rückt der Werkzeugwagen näher an den Greifraum, die Behälterhöhe steigt von 75 auf 95 cm. Das Ergebnis sind 96 Griffe pro Takt, 85 Prozent davon in der neutralen Zone, 2 Prozent Überkopfarbeit und eine Zykluszeit von 50 Sekunden. Die Variante wird zum Standard, Schulung und Audit der Bauteilzuführung folgen.
Beispiel U-Zelle: Ausgangspunkt sind 28 m Weg pro Zyklus und ein Wegezeitanteil von 24 Prozent. Mit Gangbreiten von 1.100 mm und einem zentralen Materialpuffer werden Wege und Ausweichbewegungen kürzer. Das Ergebnis sind 18 m Weg, 17 Prozent Wegezeitanteil und 6 Sekunden weniger Zykluszeit. Der neue Aufbau mit zentralem Puffer und markierten Gehwegen wird eingeführt, regelmäßige Reviews auf dem Shopfloor sichern ihn ab.
Beispiel Linienstation: Der Überkopfanteil liegt bei 14 Prozent, häufiges Bücken führt zu Qualitätsmängeln an verdeckten Merkmalen. Im Modell werden die oberen Fächer um 200 mm abgesenkt, ein Werkzeugbalancer kommt dazu, und die Prüfmerkmale werden ins primäre Sichtfeld gedreht. Das Ergebnis sind 4 Prozent Überkopfzeit, 40 Prozent weniger Beugevorgänge und 25 Prozent weniger Nacharbeit. Der Umbau wird freigegeben und seine Wirkung nach vier Wochen überprüft.
Die Kombination aus MTM-Soll-Zeiten, ergonomischen Leitplanken und begehbarer Prüfung in VR führt zu schnellen, nachvollziehbaren und gut dokumentierten Entscheidungen.
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